29.01.2026
Tobias Beck will Straubing-Bogens neuer Landrat werden

Tobias Beck will Straubing-Bogens neuer Landrat werden. Wer ist der Mann, der dafür sein
Landtagsmandat aufgeben würde? Ein Gespräch über Oxford, München – und die Heimat.

Tobias Beck ist gerne daheim. Am Donnerstagabend, wenn er aus München kommt und den Landtag hinter sich lässt, geht er in seiner Heimat Oberlindhart oft erst mal in den Wald. Nicht weit weg von seinem Haus ist eine kleine Anhöhe, von der aus man weit schauen kann. „Da ist Pfaffenberg, der Westen, Mallersdorf, Geiselhöring.
Wenn das Wetter besser ist, sieht man sogar die Windräder in Wiesenfelden, da ist Haindling, da der Fernsehturm.“
Daheim sei es doch am schönsten, meint er. Und wenn einer wie er das sagt, muss man es fast glauben. Denn Tobias Beck war in seinen 38 Lebensjahren schon viel unterwegs. „Australien ist der einzige Kontinent, auf dem ich noch nicht war.“ Geplant? „Das ist alles eher passiert.“ Nach der Hauptschule macht Beck eine Ausbildung bei BMW zum Energieelektroniker, danach soll er sich für eine Stelle in München, Leipzig oder Oxford entscheiden. „München war mir zu weit“, sagt er, und so geht es ins von Oberlindhart 1.219 Kilometer entfernte Oxford, wo er bald feststellt, dass alle anderen studiert haben.
Nach einem Jahr besucht er mit einem Freund den Tag der Offenen Tür an der Universität Oxford und bekommt die Erlaubnis, an ein bis zwei Kursen teilzunehmen, – kurz darauf heißt es dann: „Könnt’s anfangen.“ Er macht einen Bachelor und einen Master in IT, „sowas wie Nachrichtentechnik.“ Sechs Jahre verbringt Beck in Oxford, ein Jahr geht er nach Schweden, weil dort die Studiengebühren wegfallen. Die Eltern stehen hinter ihm, nur die Oma ist traurig. „Sie wollte noch mal nach Oxford und mich besuchen, aber da war sie dann schon über 80.“
Und so geht es für ihn wieder zurück nach Oberlindhart. Dort lebt er nun mit seiner Frau und seiner fünfjährigen Tochter direkt neben dem Hof seiner Eltern. Auch wenn er in England gute Freunde gefunden hat – es sei etwas anderes, bei den Leuten zu sein, die man schon seit dem Kindergarten kennt.

Nach seiner Rückkehr fängt er bei einem Automobilzulieferer in Abensberg an, arbeitet dort als Systemintegrator, reist nach China, Dubai, Botswana, Südafrika, Tunesien, Marokko, Brasilien, Osteuropa.
2023 geht es für Beck für die Freien Wähler in den Landtag. Politisch interessiert sei er schon lange gewesen, der Vater war im Gemeinderat. 2013 steht Beck bei den Landtagswahlen bereits mit 26 Jahren
auf der Liste, Platz 18 von 20. „Man hat noch einen gebraucht.“ „Ich hab mir noch nie viel gedacht dabei, sondern einfach Sachen gemacht“, sagt er. Er sei eher ein Bauchmensch. Das merkt man auch, wenn man mit ihm spricht. Er wirkt nicht aufgesetzt, sondern natürlich, freundlich. Er will sich nicht groß verkaufen, erzählt einfach, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. 2020 hat er es auch schon als
Landratskandidat versucht – unter schwierigen Voraussetzungen, da auch der amtierende Landrat Josef Laumer wieder angetreten war. Ergebnis: 21,79 Prozent. Bereut hat er die Kandidatur nicht. „Wenn man mal hinfällt, steht man wieder auf.“
Nun soll es aber klappen, vom Landtag ins Landratsamt gehen. „Ich hab in München gelernt, was man als Landrat daheim bewegen kann, wenn man es gescheit anpackt und umsetzt.“ Es gehe ihm nicht darum, welche Position hochwertiger sei. Aus seiner Zeit in München bringe er nun die richtigen Kontakte und das Wissen mit, sagt er. Als Landrat wäre es ihm wichtig, parteiübergreifend zusammenzuarbeiten. Respekt hat er aber vor dem Amt durchaus: „Im Landtag kannst du dich im Zweifel hinter deiner Fraktion, hinter 37 anderen, verstecken. Als Landrat bist du der, der im Feuer steht.“

Seine wichtigsten Themen für den Landkreis: Der Erhalt der Kreiskliniken, wo er auf mehr Mittel von Bund und Freistaat hofft, und die Digitalisierung der Ämter. Wobei da die älteren Bürger nichts zu befürchten hätten. Es sei egal, ob ein Antrag digital oder analog eingehe – der Sachbearbeiter im Amt müsse aber digital arbeiten können. In München in seiner Fraktion ist Beck in der Digitalpolitik vorne mit dabei. So ist er etwa stellvertretender Vorsitzender der Datenschutzkommission. Einmal seien die Entwickler von ChatGPT zu Gast gewesen, das sei ganz lustig gewesen, sagt er. „Die waren ganz erstaunt, dass ein bayerischer Abgeordneter sich in perfektem Englisch mit ihnen über IT unterhalten kann.“ Doch warum ist es nun daheim im Landkreis am schönsten? „Überall, wo ich war, gab es etwas, das cool war.“ 38 Grad warme Quellen in Mexiko etwa. Es sei aber die Summe der ganz kleinen Dinge, die das Zuhause ausmachten. Wie die funktionierende Müllabfuhr.
„Wenn ich bei Sinzing über die Donau fahre, bin ich wieder daheim. Da weiß ich: So schlimm kann’s jetzt nicht mehr werden.“ Eine halbe Stunde später ist er in Mallersdorf. Und fünf Minuten später auf dem Hügel bei Oberlindhart. „Die Aussicht ist jetzt nicht so toll wie am Bogenberg. Aber man sieht doch auch schon ganz schön weit.“

 

Name: Tobias Beck
Partei: Freie Wähler
Alter: 38
Beruf: Landtagsabgeordneter,
zuvor: IT-Projektmanager
Familienstand: verheiratet
Wohnort: Oberlindhart, Mallersdorf-
Pfaffenberg
Politische Ämter: Landtagsabgeordneter,
Gemeinde- und
Kreisrat
Ehrenamt: BRK-Kreisvorstand,
Freiwillige Feuerwehr